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Zwischen Bodensee, Rohrwerk und Wurstautomaten

Anna • Juli 19, 2021

 

Eine Woche bei der Clod in der Schweiz

 

Es ist immer praktisch, wenn man auf Reisen ab und zu bei Freunden und Bekannten unterkommen kann. Dann hat man unkomplizierten Zugang zu solchen wunderbaren Dingen wie einer Dusche, einer Waschmaschine oder auch einfach nur mehreren Herdplatten. Damit, was uns bei unserem Besuch von der Clod in der Schweiz direkt am Bodensee allerdings erwartete, hatten wir nicht gerechnet. Die liebe Clod hatte uns nämlich einfach mal ihre komplette Wohnung für das erste Wochenende unserer Ankunft überlassen, denn sie selbst war unterwegs. :D Da kamen wir nun in einer wunderschön eingerichteten Wohnung an - gespickt mit liebevoll beschriebenen Erklär-Post-Its, wo wir was finden können und dass wir einfach alles benutzen dürfen was wir brauchen und alles aufessen dürfen was wir finden. Nach unserem ungeplanten und sehr heiß-staubigen Italien-Aufenthalt kamen wir also in ein angenehm kühles Schweizer Paradies mit fließend Wasser und allem, was das Herz begehrt.

Nach den ersten Tagen Erholung und Orga-Kram-Erledigen traf unsere energiegeladene Gastgeberin dann in ihrer eigenen Wohnung auf uns - und eine wunderschöne Woche voller verschiedenster Unternehmungen begann. Dass unsere Unterkunft nur 5 Gehminuten von Bodensee entfernt lag nutzten wir natürlich aus. Wir besuchten ein altes Schweizer Badehaus am bzw. im Bodensee, waren Tretboot fahren - bewaffnet mit der ein oder anderen Flasche Sekt - waren in einigen Strandbars oder saßen abends auch einfach mal am Ufer und machten ein bisschen Musik. Auf der Suche nach einem schönen Fischrestaurant landeten wir eines Abends ungeplanterweise im "Petit Paris", das allerdings so gar nicht nach einem kleinen französischen Café aussah (wie es der Name vielleicht vermuten ließe). Getreu der Marke schmuddelige Straßenkneipe nahmen wir im kleinen Biergarten Platz und wurden auch schnell von dem rustikalen, sehr netten Wirt begrüßt. Nach kurzen Übersetzungsherausforderungen bei der Getränkebestellung (Radler = Panaché in der Schweiz) fragten wir nach der Karte fürs Essen. Der Wirt blickte uns nur kurz an und sagte dann: "Mir ham Schnitzel, Cordonbleu und Pommes". Gut. Da war zumindest nicht allzuviel Überlegung notwedig. Wir bestellten alle ein Cordonbleu. Der Wirt sah uns erstaunt an. "Alle drei ein Cordonbleu?" "Ja und gibts Pommes dazu?" "Ihr seids das erste Mal hier, oder? Ich bring euch eine Portion Pommes dazu, das reicht euch." Mit diesen Worten zog er ab und ließ uns einigermaßen verdutzt zurück. Als er dann allerdings mit drei riesigen Tellern, auf denen noch viel riesigere Cordonbleus lagen, zurückkehrte, wussten wir, wieso uns eine Portion Pommes zusammen reichen würde. Im Laufe des Abends erfuhren wir, dass wir wohl in einer lokalen Berühmtheit gelandet waren, die weithin bekannt war für ihre riesigen Schnitzel und Cordonbleu. Nachdem wir völlig überfressen am Tisch vegetierten - Flo hatte sein Cordobleu tatsächlich komplett gegessen, Clod und ich mussten bei der Hälfte aufgeben - kam der liebenswerte Wirt wieder vorbei. Er sah erst auf die Teller von mir und Clod und dann zu uns. Nach einer kurzen Pause fragte er "...Alufolie?" "Alufolie." war unsere Antwort und wir gingen mit einem kompletten Mahl für 2-3 Personen aus dem Restaurant nach Hause.

Aber nicht nur direkt am Bodensee gab es viel zu entdecken. Da wir nicht weit von der Liechtensteiner Grenze entfernt waren beschlossen wir, auch dieses Land zu erkunden. Dort hatten wir zwei Erkenntnisse. Erstens: Die Liechtensteiner haben schwarze Nummernschilder, was irgendwie ziemlich abgefahren agentenmäßig aussieht. Zweitens: Die Hauptstadt Vaduz ist eher ein Hauptdorf. Die gesamte Innenstadt besteht nämlich aus einer einzigen, circa 200m langen Straße. Mit dem Plan, einen kleinen Stadtbummel in Kombination mit Straßenmusik zu machen, kamen wir in besagter Innenstadt an. Da wir auch noch unter der Woche dort waren, war wirklich nur sehr wenig los.Da fiel unser Blick auf eine Burg, die hoch über der Stadt auf einem Berg thronte. Da oben ist´s bestimmt auch schön und vielleicht ist da auch ein bisschen mehr los! Also hoch mit uns in der sengenden Mittagshitze. Oben angekommen konnten wir dann verschwitzt ein Schild an der Hauptpforte erkennen. "Privatbesitz. Betreten verboten." Na Danke. Das hätte man ja auch mal früher auf den ausgeschilderten Wanderwegen, die hoch zur Burg führten erwähnen können. Also wieder runter. Angefixt von unserem Plan, in Vaduz auch mal Straßenmusik zu machen, haben wir uns dann in die Innenstadt gesetzt und für die wenigen Menschen, die da waren ein bisschen Musik gemacht. Und der Auftritt lief wesentlich besser als geplant. Einige Leute blieben stehen und manche setzten sich sogar auf eine Bank im Schatten und lauschten unserem kompletten Set. Alles in allem ein sehr schöner Tag (siehe Bildergalerie).


Einen eher ungewöhnlichen Ausflug unternahmen wir auch gemeinsam mit Clod. Am frühen Abend fuhren wir los, da Clod uns das Apenzeller Land zeigen wollte. Wir durchquerten eine Auenland-ähnliche Landschaft bis hin zu einem Gebirgsmassiv, das sich imposant aus den moosgrünen Hügeln hervortat - dem Aplstein. Nach einer kurzen Einkehr am Fuße des Alpsteins war es ungeplantermaßen schon ziemlich spät. Nichtsdestotrotz bemerkte Clod auf dem Rückweg, dass wir über einen kleinen Umweg an einem Rohrwerk in der Nähe vorbei fahren könnten. Hier eine kurze Hintergrundinfo: die gute Clod arbeitet in einem Rohrwerk. Ja einem Rohrwerk. Da werden Rohre in allen Größen und Varianten hergestellt und in die ganze Welt verschickt. Beispielsweise für die Automobilindustrie. Die Clod ist für die Koordination und Planung zuständig. Das umfasst natürlich mehrere Werke und in ebendem in dessen Nähe wir waren wollte sie eh schon länger mal vorbei. Wieso also nicht um 24 Uhr mitten in der Nacht einfach mal ins Rohwerk? Ist ja eh Schichtdienst. Wir betraten also mitten in der Nacht die riesige Produktionshalle, in der man auch wunrderbar eine Folge Sendung mit der Maus hätte drehen können. Riesige Maschinen transportierten Eisenstangen durch die Halle, Rohre wurde unter Geschepper abgeladen und in der Chemikalienabteilung waren riesige Becken, in denen die Eigenschaften der Materialien angepasst wurden. Da standen die zwei Chemiker also mit offenen Mündern vor einem 1000l Behälter mit konzentrierter Schwefelsäure und kamen aus dem Staunen gar nicht meh raus, während Clod sich angeregt mit den Mitarbeitenden unterhielt. Ein Highlight des Besuchs stellte dann das kurze Gespräch mit dem Schichtleiter dar, der uns erlaubte, in einer der Produktionshallen die Lichter ausknipsen zu dürfen.... Heißt im Klartext: Wir durften die Lichter in einem Rohrwerk ausschalten! Das ließ den Flo natürlich zur Hochform bezüglich jedes schlechten Witzes über Rohrwerke und Lichtschalter auflaufen. Die leicht entnervte Clod verbat irgendwann jeglichen zweideutigen Witz zu Rohrwerken. #manmachtimrohrwerkkeinewitzeüberrohre.


Auf dem nun sehr spät gewordenen Heimweg wurden wir über eine für uns bisher unbekannte Institution des Schweizer Landlebens aufgeklärt. An einigen Höfen gibt es einen Verkaufsstand für Eier, Käser oder Würste. Soweit so gut, das kannten wir. In der Schweiz allerdings haben einige Höfe Automaten aufstellt, an denen man zu jeder Tages ud Nachtzeit einfach verschiedenste Hofprodukte kaufen konnte. Und so hielten wir mitten in der Nacht an einem Hof und kauften frische Landjäger aus dem Automaten - als Wegzehrung für die Rückfahrt.


Nach einer wunderschönen abwechslungsreichen Woche verabschiedeten wir uns dann in Richtung München, wo wir mit sehr vielen verschiedenen Leuten verabredet waren, aber dazu später mehr...


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